FamilyLife

Das Ende der Stille: Unser Sternenkind

Von der frohen Erwartung…

In den letzten Monaten war es sehr still auf unserem Blog. Das war nicht wirklich so von uns geplant. Eigentlich hatten wir uns auf einen weiteren PropellerMOMs Zuwachs gefreut. Wir waren voll Vorfreude. Am Pläne schmieden. Wir hatten viele Ideen und viele Beiträge in Vorbereitung. Doch es sollte alles anders kommen. Anders als gedacht. Der Mensch denkt. Aber Gott lenkt.

Vom gesegneten Start…

Lasst mich kurz ausholen…

Als ich vor fünf Jahren zum ersten Mal schwanger wurde, schob ich noch lange Arbeitstage in der Beratung und stand kurz vor der schriftlichen Prüfung zum Steuerberater. Ich versichere Euch unsere große Tochter ist das Beste, was uns je passieren konnte. Auch wenn Sie nicht wirklich so geplant war.

Und genau deshalb war meine erste Schwangerschaft vielleicht völlig unkompliziert, denn ich habe genau das gemacht, was ich eben ohne dieses Schönste aller Malheur auch getan hätte: viel gearbeitet und nebenbei für den Steuerberater gelernt. Die 10 Monate vergingen wie im Flug. Für Sorgen war da nicht viel Platz. Für Wehwehchen auch nicht. Und nach 10 Monaten war unser altes Leben von einem Tag auf den anderen umgekrempelt.

Die Beratung wurde ungemütlich. Irgendwie familienuntauglich. Die Promotion meines Mannes war geschafft und wir wünschten uns einen Bruder oder eine Schwester für unsere kleine Maus. Und Letztere kam zügig. Ich war wieder schwanger als unsere erste Tochter noch kein Jahr alt war. Und wie ihr Euch vorstellen könnt, bot sich auch im Alltag mit Job, Haushalt und Kleinkind keine Zeit zum Nachdenken. Die Schwangerschaft war deutlich anstrengender. Aber auch sie verging wie im Flug. Und nach 10 Monaten hielten wir unsere zweite Tochter in den Armen.

Die ersten 10 Monate waren ein Traum. Beide Kinder sind seit jeher gute Schläfer und wir fühlten uns der Sache gewachsen. Bis unser kleiner Racker laufen konnte und zum Gegenüber für Ihre große Schwester wurde und der Streit zwischen unserem Schwesternpaar Einzug hielt. Es folgten einige anstrengende Monate. Nicht nur weil der Alltag mit Job und zwei Kleinkindern anstrengend war, sondern auch weil mein Mann Überstunden im Büro schieben musste und zeitgleich wieder studierte. Wir waren oft am Limit. Und versuchten uns irgendwie über Wasser zu halten. Allem gerecht zu werden.

Bis Anfang dieses Jahres…

Von der Vorfreude…

…wenn sich ein Kind auf den Weg in diese Welt macht…

Mein Mann hatte endlich seine Prüfungen bestanden und unsere zwei kleinen Streithennen entwickelten sich in ein gemeinsam die Welt erkundendes Geschwisterpaar. Zu Spielgefährten und „Partner in Crime“. Wir holten tief Luft und wagten es nochmals. Und Baby Nr. 3 machte sich auf den Weg zu uns.

Die beiden „Großen“ bekamen schnell Wind von dem, was da vor sich ging. Ihre Freude war unerwartet groß und unglaublich schön. Und wider Erwartens nahmen sie erstaunliche Rücksicht. Mein Mann arbeitet nun in der Selbständigkeit nicht viel weniger als zuvor. Unsere gemeinsamen Stunden sind rar.

Aber die Mädchen spielten schön und ließen mir Mittags sogar Zeit zum Ausruhen. Die brauchte ich auch. Denn anders als zuvor war ich unsagbar müde und zum ersten Mal ging es mir in einer Schwangerschaft hundsmiserabel. Ein bisher ungekanntes Maß an Erbrechen hielt Einzug. Doch unsere kleine Maus wuchs und gedieh und entwickelte sich prima. Alles war gut. Wir waren voll Vorfreude.

Von Kinderkrankheiten…

…und dem Risiko des Lebens

Bis ein scheinbar harmloses Kindervirus in unserem Kindergarten Einzug hielt. Unsere große Tochter hatte als erste den ringförmigen Ausschlag am ganzen Körper. Und wir dachten uns nicht viel dabei. Mit zwei ehemaligen Krippenkindern kann einen krankheitstechnisch nicht mehr viel erschrecken. Bis die Kindergärtnerinnen uns darauf aufmerksam machten, dass auch andere Kinder denselben Ausschlag aufwiesen. Unsere kleine Tochter und ich zeigten dieselben Symptome und der Kinderarzt diagnostizierte, was wir längst ahnten: Ringelröteln alias Parvovirus B19.

Ich wurde 6 Wochen lang engmaschig vom Frauenarzt überwacht. Unser kleines Baby entwickelte sich weiter prima. Der überwiegende Teil der Bevölkerung ist gegen die harmlose Kinderkrankheit durch eine vorausgegangene Erkrankung in der Kindheit immun. Nur bei ca. 30% akut erkrankter Schwangerer überträgt sich das Virus auf das Kind im Bauch. Nur 5% dieser Kinder entwickeln als Folge des Virus eine schwere Anämie (Blutarmut). Nur bei ca. 2% davon kann diese nicht behandelt werden. Die Wahrscheinlichkeit dass alles gut ging schien hoch. 6 Wochen und alles war ok. Wir dachten das Virus sei “ausgestanden”.

Bis zu jener verhängnisvollen Mittagspause vor einem Meeting, in der ich nur kurz zur Vorsorge wollte. Es war Halbzeit. Die 20. Schwangerschaftswoche. Und es sollte alles anders kommen. Diagnose: Unser Baby hatte eine schwere Anämie mit fetalem Hydrops. Ich verstand die Welt nicht mehr. Musste sofort ins Klinikum rechts der Isar. Dort traf mich mein Mann und was wir von den Spezialisten dort zu hören bekamen, ließ uns erschüttert zurück. Unserem Baby ging es schlecht. Sehr schlecht. Sein kleines Herz arbeitete auf einen Kollaps hin. Das Virus hatte zugeschlagen. Schlimm. Und für eine lebensrettende Bluttransfusion war die Nabelschnur noch zu dünn. Die Ärzte waren ratlos. Wir waren verzweifelt. Und unser kleines Baby kämpfte um sein Leben.

Die Spezialisten beratschlagten und diskutierten und beschlossen schließlich am nächsten Morgen eine Transfusion zu wagen. Das kleine Herz war am Limit. Ohne frisches Blut, so die Meinung der Ärzte, würde es mit Gewissheit versagen. Der Eingriff gelang. Aber nur teilweise. Die transfundierte Menge Blut war etwas zu gering. Ein weiterer Eingriff zu gefährlich. Also mussten wir abwarten. Drei lange Tage.

Als ich schließlich wieder zur Kontrolle anrückte, wusste ich noch bevor der Arzt etwas sagen konnte, das etwas gewaltig nicht stimmte: auf dem Ultraschallbild war nicht die übliche Kindsbewegung zu sehen. Und es war kein Herzschlag zu hören. Da war nichts mehr. Unser Kind war still. Unser kleiner Engel hatte sich verabschiedet. Gott hatte einen anderen Plan für unser Kind.

Von unserem Sternenkind…

Einige tränenreiche, aber heilsame Stunden später kam sein kleiner Körper zur Welt. Perfekt. Und still. Wir haben unsere dritte Tochter, die kleine Lea-Marie, wenige Tage später gemeinsam mit ihren Schwestern bei strahlendem Sonnenschein in einem süßen kleinen Engelsgrab verabschiedet. Lea bedeutet im Lateinischen die Löwin. Und so hat sie wirklich gekämpft unsere kleine Maus. Wie eine Löwin. Aber Bibelkenner wissen, dass Lea als die ältere Schwester von Rahel und erste Frau von Jakob im Hebräischen auch „die sich umsonst müht“ bzw. die „Ermüdete“ bedeutet. Kein Name hätte für uns besser zu unserer kleinen Tochter Nr. 3 gepasst. Sie ist uns vorausgegangen. In ein Zuhause, in dem es der Verheißung nach, keine Tränen mehr gibt.

Von der Stille…

Ihr fragt Euch nun bestimmt, warum ich Euch das alles so ausführlich schreibe. Nun ich starte nochmals von Vorne: Es war still um unseren Blog. Und das hatte – wie ihr nun wisst seine Gründe. Die Ereignisse waren zunächst zu gewaltig. Dann fehlten uns die Worte. Dann brauchten wir Zeit für uns. Und dann für die Kinder. Und dann brauchten wir einfach mal wieder Aufatmen und Nichts. Ja, ich hatte sogar überlegt ganz aufzuhören mit dem Schreiben.

Aber in den tiefsten Momenten der vergangenen Wochen und Monate war ich sehr, sehr dankbar für viele mutige Erfahrungsberichte von anderen Mamas, die ähnliches durchlebt haben. Auch wenn man sich wünschen würde, dass das was uns passiert ist, niemandem zustößt, war es doch tröstend von anderen zu lesen, die dieselben oder ähnliche Erfahrungen gemacht haben.

Also haben wir erstmal pausiert. Unseren Herzen Zeit gelassen zu verstehen, was der Kopf längst verstand. Zeit mit der Familie und lieben Freunden verbracht und neue Kraft getankt. Und plötzlich waren Sie wieder da: die Worte. Und hier bin ich und schreib Euch wieder.

… zu neuen Worten

Der Mensch denkt, Gott lenkt. Ich weiss, dass nichts geschieht, was Gott nicht zulässt. Was uns nicht zum Besten dient. Das klingt für manchen von Euch vielleicht hart und ist doch für mich unglaublich tröstend zugleich. Es gibt noch so viel mehr Gedanken, die ich Euch zu unserem Sternenkind weitergeben möchte, aber ich will es fürs Erste bei diesem belassen, damit dieser Beitrag nicht völlig ausufert.

Falls Du dies gerade liest und Dich in einer ähnlichen Situation befindest oder ähnliches erfahren hast und damit noch haderst, zögere nicht und schreib mich ruhig jederzeit an. Ich beantworte gerne auch jede persönliche Frage und helfe gerne, wenn dies irgendwie möglich ist.

Liebste Grüße,

Eure

Carolin von den

 

 

 

 

 

 

 

You Might Also Like

2 Comments

  • Reply
    Anna Siebert
    Oktober 20, 2017 at 12:02 pm

    Liebe Carolin,
    großen Dank für dein MitTeilen. In diesem kurzem Bericht über diese doch so lange Zeit hast Du die Gefühle weitergegeben, welche Du, Ihr als Familie, so intensiv erlebt hast: Vorfreude, Spannung, Ängste, Abschied tiefe Traurigkeit ,Loslassen, Abschied, Vertrauen, Hoffnung… Es werden sich viele drin wiederfinden und verstanden fühlen. Deshalb finde ich solche Offenheit so wertvoll!
    Eine herzliche Mitfühl-Umarmung meinerseits an euch alle!
    Anna

    • Reply
      Carolin-Anna
      November 13, 2017 at 10:25 pm

      Liebe Anna,

      vielen Dank für Deine lieben Worte und die ermutigende Rückmeldung.

      Herzliche Grüße an Euch nach Mannheim,

      Carolin

    Leave a Reply

    add image (JPEG only)